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"Der Frieden beginnt in der Familie", so lautet das Thema des Aufsatzes, den Sohn Bruno als Hausaufgabe aufbekommen hat. Inspirierender als seine eigene könnte eine Familie für ein solches Thema kaum sein. Die Tochter Lisa wird zur präventiven Bestrafung der bald einsetzenden Geschlechtsreife im Badezimmer gefangen gehalten und der Vater ist ein blödsinniger Hypochonder, der, auf seiner Chauvi-Couch liegend, billige Lobeshymnen auf die Mutter des Hauses zusammenreimt und sich für einen großen Dichter hält. Mutter Erna hat hier die Hosen an und sie hat sie sich bis unter die Achselhöhlen hochgezogen, um sie bloß nie wieder hergeben zu müssen.
Wenn die Familie das Beet ist, dann ist Erna die begeisterte Gärtnerin, deren ganzer Eifer der Zucht von Psychosen unter dem schäbig-verdreckten Deckmantel familiärer Eintracht gilt. Durch die Ehe an ein asthmatisches Weichei gefesselt, das mit seiner Couch symbiotisch verwachsen zu sein scheint, und mit einem schleimig-denunzianten Sohn geschlagen, der seinem Vater in nichts nachsteht, gärt in der Mutter der Brut ein unheil bringender Cocktail aus sexueller Frustration, Verzweiflung und Bösartigkeit. Vergrämt und mies bis in die lockengewickelten Haarspitzen, rächt sie ihr erbärmliches Leben an der Jugend ihrer Tochter Lisa.
Gefangen in einem Sumpf wie diesem liegt Lisas einzige Hoffnung in den begeisterten Lobeshymnen des schmierigen Verlegers Kleingeld, der einen Band mit Gedichten der Tochter um jeden Preis veröffentlichen will.

Autor

Angela Sommer-Bodenburg

Angela Sommer-Bodenburg wuchs in Reinbek bei Hamburg auf. Schon als Kind entwickelte sie ein beachtliches Zeichen- und Maltalent. Bald schrieb sie ...