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Nach meinem Coming Out war meine Mutter zwar immer noch der Meinung, dass Geschlechtsangleichungen im Islam akzeptiert seien, aber irgendwie schien sie im Koran einen Absatz ausfindig gemacht zu haben, der ihren eigenen Kindern diese Gnade verwehrte. Aber wenn ich die Fatwa von Sayed Fadlallah erst einmal hatte, was konnte sie dann noch dagegen sagen? Gar nichts! Überstimmt!

SHE HE ME ist das erste arabische Transgender-Stück.

Über mehrere Jahre hinweg hat Raphael Khouri recherchiert und Gespräche mit queeren und insbesondere trans* Personen aus dem arabischen Raum geführt.
Der semifiktionale Text beschäftigt sich mit den Geschichten dreier Figuren, die jede auf ihre Weise die gesellschaftlichen Konventionen von Gender in Frage stellen: Randa, die energiegeladene trans* Frau aus Algerien, die aus Angst vor staatlicher Repression zunächst in den Libanon flieht, bevor sie im schwedischen Asyl die erste trans* Stadträtin wird; Omar, ein genderfluider, schwuler Mann aus Jordanien und Art Director in einer Werbefirma, der von seinem Bruder zwangsgeoutet wird und auch die Rollenzuschreibungen der Schwulenszene ablehnt; Rok, der versucht, seiner Mutter schonend beizubringen, dass er nicht mehr als Frau leben will.
Randa, Omar und Rok erzählen in einem tempogeladenen Spiel von ihren Erfahrungen mit Bedrohungen, Flucht und der Sehnsucht nach Normalität und Geborgenheit. Dabei steht abwechselnd eine Figur im Vordergrund und die anderen unterstützen ihre Erzählung mit schnellen Rollenwechseln und Kommentaren.

Rok (macht sich über die Tragik seiner Schauspiel-Kolleg*innen lustig): Mein Gott Leute, ihr seid so deprimierend! Macht mal Platz, ich erzähle jetzt von meiner Mama, das wird euch aufmuntern. Meine Mama ist eine einzige One-Woman-Show!
Omar: Ooh, darf ich deine Mutter spielen? (Nimmt eine Pose ein.)
Randa: Ha! Glaubst du wirklich , dass eine Frau aus dem Südlibanon so dastehen würde? Lass mich das machen. (Zieht einen Hijab an.)


Das kleine Wunder, das Khouri dabei vollbringt: Diese Geschichten wirken weder fremd, noch belehrend, noch moralisierend. Humor und Selbstironie, Spielfreude, Schlagfertigkeit und Spaß an Camp durchziehen das Stück ebenso wie der berührende Blick auf Freundschaft und Wahlfamilien, die gerade für queere Personen oft lebenswichtig sind.

SHE HE ME wurde 2016 an den Münchner Kammerspielen und 2017 in der New York Public Library als szenische Lesung präsentiert und gelangte 2019 im Kosmos Theater in Wien zur Uraufführung.
Das Stück ist erschienen im Sammelband Charlotte Bomy, Lisa Wegner (Hg.): „Surf duch undfiniertes Gelände“ (Drama Panorama – neue internationale Theatertexte, Bd. 4) Neofelis Verlag Berlin.

Zu diesem Stück gibt es eine PDF-Datei
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Autor

Raphael Amahl Khouri

Raphael Amahl Khouri ist ein jordanischer Theatermacher und Autor von dokumentarischen Theaterstücken und lebt in Berlin.

Er hat diverse Texte fürs Theater geschrieben, unter anderem das ...