Inhalt

Die Frauenärztin Beate möchte in den Ruhestand gehen und sucht deshalb eine Nachfolgerin für ihre Praxis in einer Provinz-Kleinstadt. Ein schwieriges Unterfangen, denn das Interesse an einem arbeits- und betreuungsintensiven Arztjob auf dem Land ist gering. Doch dann meldet sich die junge Ärztin Hanna. Auf den ersten Blick scheint Hanna genau dem zu entsprechen, was Beate sucht: eine engagierte, selbstbewusste und selbstbestimmte Frau - freundlich, offen und voller Idealismus.

Doch als Hanna sich während ihrer Hospitation bei einem Beratungsgespräch über einen Schwangerschaftsabbruch ungefragt einmischt und dabei offenbart, dass sie rigoros gegen Abtreibung ist, kommt es zum Bruch: Hannas Auffassung des Frauenärztinnen-Berufs ist dem Beates offenbar diametral entgegen gesetzt - ihr Wertekanon ist zutiefst reaktionär und mit der von den 68er-Idealen geprägten Einstellung Beates unvereinbar. Während Beate den Vorfall erstmal sacken lassen will, tritt Hanna unter Mithilfe rechter Lebensschützer-Initiativen am nächsten Tag eine Haß- und Schmutzkampagne gegen Beate und ihre Praxis los, die schon bald in aller Öffentlichkeit ausgetragen wird und das ganze Gemeinde-Leben erschüttert...

In FRAUENSACHE werden die aktuellen Diskussionen über Schwangerschaftsabbrüche und das Werbeverbot für diese mit dem gesellschaftlichen Vormarsch der Ideen und Standpunkte der Neuen Rechten verknüpft. Es geht um neo-konservative Frauenbilder - aber auch um Familie und Heimat. Frauen werden in der rechten "Bewegung" immer präsenter: ob als junge attraktive Hipster, als sorgende Mütter, als starke Frauen im sozialen Bereich - so wird versucht, für die verschiedenen gesellschaftlichen Schichten Identifikationsfiguren zu schaffen, um auch die Menschen zu erreichen, die rechtspopulistischen Ideologien eher skeptisch gegenüberstehen.

Erstmals haben Lutz Hübner und Sarah Nemitz ein Stück für eine ausschließlich weibliche Besetzung geschrieben und zeichnen mit den sechs Frauenfiguren eine kluge Analyse gegenwärtiger Stimmungen in unserer Gesellschaft.