Inhalt

Die 5. Etage einer urbanen Wohnung. Zwei Stimmen: Medea und Jason. Zwei Ab-(Gesänge) auf das Nicht-Europa, seine Küsten und Grenzen, sein inneres und äußeres Ausland, das sich widerspiegelt in der Heimatlosigkeit der Figuren - ihrem Zwist und Verstoßen-Sein. NOCH SO EIN VERKOMMENES UFER ist Anklage und Anrufung des eigenen Schicksals und Europas - auf den Spuren der mythologischen Vorlage und Heiner Müllers.

MEDEA

Hier ist noch so ein Ufer voller Staub.
Verkommen in der 5. Etage.
Deine nackte Spitze fehlt.
Deine Arme.
Und mein Ausland fehlt.
Es fehlt schon wieder ein Ausland.

JASON

Durst ist Feuer, sagst du?
Ach, Medea.
Auslöschen will ich es.
Bis zum Meeresgrund.
Wo deine Toten stehen.
Deine aufrechten Schwimmer.

Deine Küste hängt mir zum Hals (heraus.)
Dein Nicht-Europa.
Dein verdammtes Ausland.

Autor

Sasha Rau

Ausbildung zur Schauspielerin an der École Supérieure des Arts et Techniques du Théâtre in Paris und ist seitdem als freischaffende Schauspielerin und Autorin in Frankreich und im ...