Inhalt

Thomas läuft Halbmarathon. Für die ganze Distanz reicht es noch nicht. Und wahrscheinlich nicht einmal dafür: während er seine "Trainingseinheiten" im Lotterbett mit Judith verbringt, schickt er einen gemieteten Studenten an den Start, der für ihn als perfektes Alibi am Lauf teilnehmen soll. Zwischen dem Vater, der ein immer komplexer werdendes Lügenkonstrukt um seine Affäre aufbaut und einer depressiven Mutter wächst Mara heran. Fasziniert von den Fantasiewelten der Manga-Comics zeichnet sie nächtelang eigene Figuren mit dem Ziel, einen Wettbewerb zu gewinnen, der ihr ein einjähriges Stipendium in Japan beschert. Judith wünscht sich ein Baby, vielleicht, weil es ihre biologische Uhr so will, vielleicht, weil die Ehe mit ihrem Mann Sascha ansonsten nicht mehr viel zu bieten hat. Sascha bereist im Auftrag einer Fachzeitschrift die Welt, um Lautsprecherboxen zu testen. Judith übernimmt den weiblichen Gegenpart bei Thomas' wöchentlichen Trainingseinheiten. Dort, im günstigen Hotel, gelingt den beiden scheinbar nebenbei, was Judith und Sascha bislang hoffnungslos versuchten: Judith wird schwanger. Als der gemietete Student gegen alle Absprachen den 1. Platz belegt und mit Fotos im Internet geehrt wird, fliegt Thomas auf. Mara, die ihrem Vater schon länger mißtraut, hat alles recherchiert. Judith, die ihren Kinderwunsch erfüllt sieht, beendet die Affäre. Der Verlust der Liebhaberin und Maras Mißachtung lassen auch Thomas nicht unbeeindruckt. Es sind die kleinen Dramen des Alltags, von denen Roland Spranger in seinem neuesten Stück HALBMARATHON bestechend lakonisch und unprätentiös erzählt. Viel scheint nicht zu passieren, so meint man, doch das täuscht. Sprangers Figuren kommen ihren Träumen - wie so oft auch im wirklichen Leben - erst durch die Erfahrung von Schmerz und Verlust näher. Der Verrat, der dafür begangen wird, wirkt allzu menschlich. Ob Mara, die jugendlich aufbegehrt und das Affentheater zwischen ihren Eltern dann recht nonchalant beendet, der von seinen Sehnsüchten zerrissene, vollkommen orientierungslose Thomas oder Sascha, der schließlich gar nicht mehr so genau wissen will, von wem das Kind nun wirklich ist, Sprangers traurig-komische Charaktere bleiben symphatisch in ihrem Scheitern sowie in ihren kleinen Siegen. Und auch das ist der unaufgeregten Schreibkunst Roland Sprangers zu verdanken.

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Autor

Roland Spranger

Roland Spranger wurde 1963 geboren und lebt in Hof.  Mitarbeit in div. Freien Theatergruppen - als Regisseur, Autor und Schauspieler. Arbeit als ...