Neuheiten Bühne

TÖCHTER DES JIHAD

von Barbara Herold

Eine szenisch-dokumentarische Collage

2D - 1H - Wechseldek.

UA: 17.04.2016, Feldkirch - Ko.Prod. von dieheroldfliri.at mit KosmosTheater Wien und Theater Reutlingen Die Tonne

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Inhalt

"Es ist so schön, in einem rein islamischen Land zu leben. Manchmal vergisst man fast, dass man im Jahr 2000 lebt. Man fühlt sich wie in einem Kapitel des Alten Testaments."
(Facebookeintrag - anonym)

Mehrere tausend junge Menschen aus Europa haben bereits den Weg nach Syrien angetreten. Etwa fünfzehn Prozent davon sind weiblich. Frauen und Mädchen zwischen 13 und 27 Jahren haben Hijra gemacht, um ein neues reines Leben zu führen, um Hilfe zu leisten, um Teil einer neuen multi-ethnischen Gesellschaft zu werden. (Mit Hijra bezeichnet man die Auswanderung vom Gebiet der Ungläubigen in den Herrschaftsbereich des Islam, die nach extremistischer Auslegung zur Pflicht der Muslime gehört.)

Viele der jungen Frauen haben ihre Hochzeit im Vorfeld arrangiert. Der Heiratsmarkt im Internet boomt:

"Mutiger Löwe mit Kampferfahrung sucht rehäugige Schönheit, rein und unberührt, für ein gottesfürchtiges Leben im Kalifat."

Dass auch Frauen sich den Terroristen anschließen, ist ein großer Propagandaerfolg des IS, denn für den Bevölkerungsaufbau müssen Familien gegründet werden. Frauen stellen aber auch anderweitig ihren Körper in den Dienst der "höheren Sache". Der sogenannte "Sex-Jihad", eine Kurzehe im Kampfeinsatz, gilt als gute Tat und kann auf dem Konto unterwegs ins Paradies positiv verbucht werden.

Was sind die Motive der jungen Frauen, sich einem extremistischen gewaltbereiten Islam zu verschreiben und aus dem sicheren Europa in das Kriegsgebiet des ‚Islamischen Staates’ auszureisen? Wo liegen die Beweggründe, sich von Familie und Gesellschaft ab- und sektiererischen Ideologien zuzuwenden? Welche Voraussetzungen führen dazu, dass minderjährige Mädchen sich auf den Weg machen, um inmitten von entfesselter Gewalt ihr Glück zu suchen, sich einem extrem männlichen System unterzuordnen und auf die erreichten Freiheiten und Rechte des Westens zu verzichten? Und was hat das alles mit dem Islam zu tun, wenn es überhaupt mit dem Islam zu tun hat?

Als szenische Grundlage dient sorgfältig recherchiertes dokumentarisches Material, das in collagiert-fiktiver Form die verschiedenen Etappen der ideologischen Indoktrination und das Leben im IS beleuchtet. Auf der entwicklungspsychologischen Ausgangslage sowie auf den Indoktrinationsmethoden durch Neosalafisten liegt ein Hauptaugenmerk des Textes. Sein Ziel ist es, die eigene Ratlosigkeit und Ohnmacht gegenüber dem Phänomen Jihadismus zu formulieren und Argumente zu liefern, die einem drohenden Kampf der Religionen, respektive Kulturen, und damit einer zunehmenden Polarisierung in unserer Zivilgesellschaft vorbeugen können. Aufklärung, Sensibilisierung, Warnung sind Intention des theatralen Vorhabens, eine Art schüchterner Prävention zur Förderung des interkulturellen Dialogs.