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5.1.2022

Anlässlich des 80. Jahrestags der historischen Wannsee-Konferenz im Januar 2022 zeigt das ZDF den gleichnamigen Film von Magnus Vattrodt (Regie: Matti Geschonneck). DIE WANNSEEKONFERENZ schildert anhand des von Adolf Eichmann gezeichneten "Besprechungsprotokolls" das Treffen führender Vertreter des NS-Regimes am 20. Januar 1942 in einer Villa in Berlin-Wannsee. Thema war die sogenannte "Endlösung der Judenfrage": die Organisation des systematischen, millionenfachen Massenmords an den Juden Europas. Der Film wird linear und online von einordnenden Angeboten begleitet und ist in der Mediathek des ZDFs zu finden. 

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Foto: ZDF/Julia Terjung

Statement von Magnus Vattrodt zum Film:
Unser Film ist für mich der Versuch einer Annäherung an das, was im Januar 1942 am Großen Wannsee besprochen wurde, in Anlehnung an das, was später von Eichmann im Protokoll der Sitzung festgehalten wurde, in seiner trockenen, verstörend technokratischen Sprache. Es ist der Versuch, diese Banalität des Bösen greifbar zu machen. Die Normalität der Konferenz, mit ihren kleinlichen Streitereien um Zuständigkeiten und Befugnisse und Eitelkeiten, mit ihren bürokratischen Spitzfindigkeiten. Die Normalität der Täter.

Für mich als Autor ist es außerdem ein Film über Sprache gewordene Menschenverachtung. In der Sprache der NS-Funktionäre wird "deportiert" und "evakuiert", es wird "einwaggoniert", es wird "sonderbehandelt", "entjudet". Menschen werden ein "rassehygienisches Problem", das man lösen kann, eine "Judenfrage", die man beantworten kann, logistisch, organisatorisch, handwerklich. Es ist eine Sprache voller Euphemismen und Zahlen, die jede Empathie erstickt, ersticken soll. Die herabsetzt, ausgrenzt, das Morden versachlicht – und nicht zuletzt dadurch allen Tätern und Mitläufern die Möglichkeit gibt, sich eben nicht als Täter zu fühlen, sondern als "anständige Deutsche".

Auch darum ist "Die Wannseekonferenz" ein erschreckend moderner, heutiger Stoff, eine fast zeitlose Geschichte der Enthemmung und Entgrenzung und der gezielten Überwindung aller Mitmenschlichkeit – durch Menschen.