Neuheiten Bühne

Matias Faldbakken
DAS KALTE PRODUKT
Eine Schauspiel in drei Akten nach Henrik Ibsen
Deutsch von Hinrich Schmidt-Henkel
3D - 3H - 1Dek.
DEA: Spielzeit 2008/09, Staatstheater Stuttgart
INHALT
Nora ist eine ehrgeizige, erfolgreiche Wirtschaftsjuristin, ihr Mann Thorvald Redakteur des Snowboard-Magazins "Nowbored", eines ökonomisch wackligen Unternehmens, das nur deswegen weiterbesteht, weil es zur Geldwäsche für Drogenhändler und Glücksspielausrichter dient.
So sieht Matias Faldbakkens Umkehrung von Ibsens Klassiker aus, dem der junge norwegische Skandalautor bei aller Freiheit inhaltlich und strukturell recht nah bleibt, freilich, um gerade durch diese Nähe sein Neuarrangement umso stärker wirken zu lassen.
Nora hat sich einst verkauft, mißbrauchen lassen vom Chef der Dealer hinter Thorvald, um auf diesem Wege dessen Spielschulden zu begleichen. Natürlich weiß das niemand. Aber es kommt heraus, als Thorvalds Freund Krogstad sich einen Arbeitsplatz in der Geldwäschefirma erpressen will. Als Nora feststellen muß, wie wenig Thorvald ihr einstiges Opfer schätzt, beschließt sie, das gemeinsame Kind abzutreiben - ihr erstes, von Thorvald heiß ersehnt, für sie eher Accessoire der erfolgreichen Profifrau denn liebevoll erwartet; es kommt im Verlauf des Stücks zur Welt -, und zwar "postnatal" … Kurz: Das "Kalte Produkt" ist dieses Kind, das Neugeborene, das sie mit Doktor Ranks Hilfe tötet.
Matias Faldbakken schafft eine drastische Neufassung von Ibsens Konstellation. Sein Ziel: eine durchaus beunruhigende, kontroverse Bewertung der Figuren. Wer ist wessen Opfer, wer eine positive Figur, und verdient überhaupt noch eine davon unser Mitgefühl? Im "Ibsen-Jahr" 2006 verfaßt, demontiert Faldbakkens Stück auch die Erwartungen an schlüssige, vorbildhafte oder zumindest eindeutige Dramenfiguren und Aussagen.